

Die beiden Eichen gehören wohl zu den prägendsten Bäumen Dreieichenhains: Die große Roteiche Ecke Koberstädter Straße/Waldstraße ist vom Riesenporling, einem sehr schädlichen Baumpilz, befallen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit musste der Baum vor einem Jahr deutlich eingekürzt werden. Die alte Eiche am Dreieichplatz unmittelbar neben dem Kiosk ist schon seit vielen Jahren hohl und die tragende Restwandstärke, also die vitale Außenwand mit gesundem Holz, liegt bei nur noch ca. 10 Prozent des Stammes und nimmt langsam aber stetig ab.
Bei beiden Bäumen gleich ist der Umstand, dass die alleinige Aussage über Restwandstärken des Stammes nicht mehr aussagekräftig ist, um die Standsicherheit nachzuweisen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen:

Bei der Roteiche zeigte sich Ende 2024 am Stammfuß der Roteiche erstmals ein Riesenporling. Der Riesenporling ist ein wurzelbürtiger Baumpilz und zersetzt die Baumwurzeln. Er dehnt sich im Lauf der Zeit fast ausschließlich im Wurzelbereich der Bäume aus. Er befällt zunächst die tiefen Wurzeln und dringt erst im Lauf von Jahren in die für eine Inspektion leichter zugänglichen Wurzeln der unmittelbaren Bodenoberfläche vor. Die Standsicherheit der befallenen Bäume wird daher durch den Wurzelholzabbau stark beeinträchtigt, noch bevor der Pilz erstmals durch seine oberirdischen Fruchtkörper sichtbar wird. Die Vitalität der Bäume wird erst in einem späten Befallsstadium beeinträchtigt und zeigt sich zum Beispiel durch verstärkte Totholzbildung. Das kann man jetzt, ein Jahr nach dem Rückschnitt, erneut feststellen.
Die Bohrwiderstandsmessungen in den oberflächennahen Starkwurzeln zeigen sehr geringe Restwandstärken. Diese Restwandstärken reichen nicht mehr aus, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Auch bei der Eiche am Kiosk sind die gemessenen Restwandstärken äußerst gering. Auch hier reichen diese nicht mehr aus, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Aus diesem Grund erfolgten für diese beiden wertvollen Bäume sogenannte „Zugversuche“:
Bei einem Zugversuch wird mithilfe eines Greifzugs und einem Seil der Baum in Zugrichtung belastet. Die simulierte Kraft beträgt dabei in der Regel nur ein Bruchteil der Last eines Sturms. Anhand von Messelementen wird am Stamm die Dehnung der äußeren Holzfasern gemessen. Elektronische Neigungssensoren am Wurzelbereich erfassen, ob sich die Wurzelplatte hebt oder der Baum im Boden kippt.
Die Zugversuche sind nicht günstig und schlagen mit je ca. 1.500 Euro zu Buche. Die Aussagen über die Standsicherheit sind aber sehr genau und es ist die einzige Chance, die Bäume weiter zu erhalten.
„Für die Roteiche zeigen sich noch gute Standsicherheitsreserven. Nach Entfernung des starken Totholzbesatzes und einer damit einhergehenden Angleichung der Restkrone ist der Baum fürs Erste wieder sicher. Die Eiche am Kiosk hat keine Sicherheitsreserven mehr. Ihre Krone muss wieder um zwei bis drei Meter eingekürzt werden. Dann ist auch sie wieder sicher. Die Nachuntersuchungen erfolgen dann in drei Jahren“, erläutert Sylvio Jäckel, Fachbereichsleiter Bäume der DLB AöR, die Ergebnisse und das weitere Vorgehen. „Die weiteren Prognosen sind dennoch für beide Bäume leider nicht besonders gut. Die fachlich notwendigen Nachuntersuchungen müssen eng getaktet werden. Wir werden aber beide Bäume so lange wie vertretbar erhalten“, so Jäckel weiter.
Die notwendigen Baumpflegearbeiten werden am Vormittag des 17. Juni 2026 stattfinden.

