
Als erster Schwerpunkt für ein Pilotprojekt zur koordinierten Eindämmung wurde der Bereich im Umfeld des Odenwaldrings in Dreieichenhain ausgewählt. Die betroffenen Anlieger wurden bereits angeschrieben. Ausschlaggebend hierfür sind neben der bestätigten Befallssituation insbesondere die bereits sichtbaren Veränderungen und Beeinträchtigungen an Gehwegen und Hofflächen. Gleichzeitig bietet der Bereich die Möglichkeit, eine räumlich zusammenhängende Maßnahme unter Einbeziehung betroffener Grundstücke umzusetzen. „Der Klimawandel bringt auch für Kommunen neue Herausforderungen mit sich. Die Große Drüsenameise ist ein Beispiel dafür, dass sich Arten ausbreiten können, die in unserer Region bislang keine Rolle gespielt haben“, sagt Sergej Justus, Leiter Umwelt und Energiemanagement der Stadt Dreieich. „Mit dem Pilotprojekt gehen wir gemeinsam mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern einen wichtigen Schritt, um die weitere Ausbreitung möglichst wirksam einzudämmen und Erfahrungen für den zukünftigen Umgang mit dieser Herausforderung zu sammeln“.
Ziel des Pilotprojekts ist es, Erfahrungen mit einem koordinierten Vorgehen zu sammeln und Maßnahmen möglichst wirksam aufeinander abzustimmen. Da sich die Große Drüsenameise unabhängig von Grundstücksgrenzen ausbreitet und größere Kolonien bilden kann, sind einzelne isolierte Maßnahmen häufig nicht ausreichend. Die Erfolgsaussichten steigen, wenn öffentliche und private Flächen gemeinsam betrachtet und zeitlich abgestimmt behandelt werden. „Ein wirksames Vorgehen gegen die Große Drüsenameise gelingt nur gemeinsam. Deshalb setzen wir auf eine koordinierte Maßnahme, die öffentliche und private Flächen gleichermaßen berücksichtigt“, erläutert Erster Stadtrat Holger Dechert.
Im Rahmen des Pilotprojekts ist ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgesehen. Dieses umfasst fachkundige Begutachtungen vor Ort, die Bewertung der jeweiligen Befallssituation, die Durchführung geeigneter Maßnahmen zur Reduzierung und Eindämmung des Vorkommens sowie eine anschließende Dokumentation und Erfolgskontrolle. Vorgesehen ist eine Kombination verschiedener Verfahren, darunter insbesondere thermische Behandlungen mit Heißwasser, eine ergänzende biologische Unterstützung durch den Einsatz geeigneter Nematoden sowie der gezielte Einsatz zugelassener Biozidprodukte. Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhöhen, kann es in einzelnen Bereichen zudem erforderlich sein, befestigte Flächen wie Plattenbeläge abschnittsweise aufzunehmen und nach der Behandlung wiederherzustellen.
Um die Beteiligung möglichst vieler betroffener Grundstücke zu ermöglichen und die notwendige räumliche Koordination sicherzustellen, beteiligt sich die Stadt Dreieich einmalig mit bis zu 50 Prozent an den Kosten der im Rahmen der koordinierten Gesamtmaßnahme beauftragten Leistungen, höchstens jedoch mit 400 Euro je Liegenschaft. Die städtische Kostenbeteiligung gilt ausschließlich für Leistungen, die über die koordinierte Gesamtmaßnahme beauftragt werden. Die eigenständige Beauftragung eines Bekämpfungsunternehmens ist nicht förderfähig. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist für die koordinierte Pilotmaßnahme im Bereich des Odenwaldrings mit Gesamtkosten von voraussichtlich bis zu 60.000 Euro zu rechnen.
Bevor konkrete Maßnahmen beginnen können, wird die Stadt die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner zu einer Informationsveranstaltung einladen. Gemeinsam mit einem fachlich geeigneten Unternehmen werden dort die aktuelle Situation, die Biologie und Ausbreitung der Großen Drüsenameise sowie die vorgesehenen Maßnahmen erläutert. Außerdem werden der weitere Ablauf, die Beteiligungsmöglichkeiten und die Kostenregelungen vorgestellt. Die Veranstaltung bietet Gelegenheit, Fragen zu stellen und individuelle Anliegen zu besprechen. Der genaue Termin und Veranstaltungsort werden derzeit abgestimmt und zeitnah bekannt gegeben. Interessierte Anwohnerinnen und Anwohner im Bereich des Odenwaldrings können sich bereits jetzt per E-Mail an umwelt@dreieich.de wenden.
Zum Hintergrund: Die Große Drüsenameise ist primär durch den globalen Pflanzenhandel und Warenverkehr nach Deutschland gekommen. Ein Hauptgrund für die Einschleppung ist der Import von südländischen Topfpflanzen, Substraten, Erden oder Großgehölzen wie Olivenbäumen, Palmen oder Feigenbäumen aus dem Mittelmeerraum, die in Baumärkten und Gartencentern verkauft werden. Denn die Ameisen nisten unbemerkt in den Wurzelballen. Die Bürger sollten daher beim Kauf solcher Pflanzen auf Ameisen in den Wurzelballen achten.
Die Ameise breitet sich aufgrund des zunehmend warmen Klimas auch in Deutschland aus und bildet umfangreiche Kolonien mit zahlreichen Nestbereichen, die sich über mehrere Grundstücke und öffentliche Flächen erstrecken können. Einzelne Nester isoliert zu behandeln, reicht daher häufig nicht aus, da unbehandelte Bereiche als Rückzugs- und Ausgangspunkte für eine erneute Ausbreitung dienen können. Mögliche Auswirkungen eines stärkeren Befalls sind ein vermehrtes Auftreten der Ameisen auf Wegen, Terrassen und Gebäudebereichen sowie Beeinträchtigungen bis hin zu einer möglichen Unterwanderung und Lockerung befestigter Flächen sowie Besiedlung von technischen Anlagen wie Schaltkästen. Im Bereich Dreieichenhain wurden bereits handlungsbedürftige Veränderungen an befestigten Flächen festgestellt. Die geplante Pilotmaßnahme verfolgt nicht das Ziel einer garantierten vollständigen Beseitigung der Art. Ziel ist vielmehr eine deutliche Reduzierung des Befalls und eine möglichst wirksame Eindämmung der weiteren Ausbreitung durch ein abgestimmtes räumliches und zeitliches Vorgehen.
Kontakt für Rückmeldungen und Fragen: umwelt@dreieich.de. Das Meldeportal steht unter www.ameisenerfassung-dreieich.de zur Verfügung.


