
Aktuell gibt es in Dreieich kein angemeldetes Ü3-Kind (Kind über drei Jahren) ohne Platzangebot. Im Bereich der U3-Betreuung (Kinder unter drei Jahren) sind nur noch ganz wenige Kinder, die für städtische Einrichtungen angemeldet sind, ohne Platzangebot, während bei freien Trägern oder Tagespflegepersonen noch Plätze frei sind. Gleichzeitig verfügt Dreieich aufgrund der Ausbauaktivitäten der letzten Jahre gesamtstädtisch noch über deutliche Kapazitätsreserven.
Bürgermeister Martin Burlon sieht darin eine wichtige Veränderung für die weitere Planung: „Dreieich hat in den vergangenen Jahren erheblich in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert und wir sind sehr froh, dass nun jedem Kind in der Stadt ein Betreuungsplatz angeboten werden kann, auch wenn es noch nicht in jedem Fall der Wunschplatz ist. Allerdings müssen wir nun auch auf die demografische Entwicklung reagieren. Unser Ziel bleibt eine verlässliche und qualitativ gute Kinderbetreuung. Gleichzeitig müssen wir verantwortungsvoll mit den vorhandenen personellen, räumlichen und finanziellen Ressourcen umgehen.“
Auch beim Personal zeigt sich eine veränderte Situation. Während in den vergangenen Jahren vor allem der Fachkräftemangel die Entwicklung geprägt hat, bestehen aktuell je nach Einrichtung sowohl Personalüberhänge als auch Unterdeckungen. Eine bedarfsgerechte Personalverteilung zwischen den Einrichtungen gewinnt deshalb erheblich an Bedeutung. „Es geht ausdrücklich nicht darum, Personal pauschal abzubauen“, betont Kerstin Briese, Fachbereichsleitung Kinderbetreuung. „Wir müssen vielmehr dafür sorgen, dass unsere Fachkräfte dort eingesetzt werden, wo Kinder und Familien sie tatsächlich benötigen. Gleichzeitig wollen wir den Einsatz von Zeitarbeitskräften deutlich reduzieren.“
Auch die Investitionsplanung wurde vorausschauend schon im letzten Jahr an die sich anbahnende Entwicklung angepasst. Die Erweiterung der Kita Oisterwijker Straße um ursprünglich drei U3- und zwei Ü3-Gruppen pausiert noch immer aufgrund der aktuellen Bedarfszahlen. Für 2027 ist stattdessen der Umzug von zwei bestehenden Ü3-Gruppen an den neuen Standort Eisenbahnstraße 140 vorgesehen. Von einem Neubau einer Kita an der Hegelstraße wurde zudem aus Kostengründen Abstand genommen. Neue Investitionen sollen künftig erst dann erfolgen, wenn ein nachhaltiger Bedarf nachgewiesen ist und dieser nicht durch vorhandene Kapazitäten, eine bessere Auslastung, Personalsteuerung, Kindertagespflege oder Anpassungen bestehender Angebote gedeckt werden kann.
Gleichzeitig hat die Stadt zuletzt wichtige Ausbauprojekte abgeschlossen. Die Erweiterung der Kita Rückertsweg und der Neubau der Kita Am Lachengraben wurden 2026 planmäßig in Betrieb genommen. Allein durch diese beiden Maßnahmen wurden nennenswert zusätzliche U3- und Ü3-Kapazitäten geschaffen. Bürgermeister Martin Burlon fasst die künftige Ausrichtung zusammen: „Wir wechseln von einer Phase, in der der Ausbau im Mittelpunkt stand, zunehmend in eine Phase der aktiven Steuerung. Das bedeutet alles andere als Stillstand. Im Gegenteil: Wir wollen schneller auf tatsächliche Veränderungen reagieren können. Investitionen, Personal und Betreuungsangebote müssen dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden. Damit sichern wir langfristig eine bedarfsgerechte und zugleich wirtschaftlich verantwortbare Kinderbetreuung in Dreieich.“
Bei der Grundschulkindbetreuung ist der Rechtsanspruch deutschlandweit im aktuellen Schuljahr 2026/2027, zunächst für die neuen Erstklässler, in Kraft getreten. In den nächsten Schuljahren folgt jedes Jahr der Rechtsanspruch für einen weiteren Jahrgang. An allen Dreieicher Grundschulen wird seit vielen Jahren die Schulkindbetreuung für die Klassen 1 bis 4 von unterschiedlichen Trägern angeboten, die die Stadt durch die Gewährung von Betriebskostenzuschüssen sichert. Beim Ausbau der Platzkapazitäten ist die Stadt Dreieich mit dem Kreis Offenbach, der als Schulträger den Prozess steuern soll, im Boot.
Das erste Etappenziel ist erreicht: Allen Kindern mit Rechtsanspruch konnte für das aktuelle Schuljahr ein Platzangebot gemacht werden. Zudem konnte zum Schuljahresanfang auch anfragenden Familien ohne Rechtsanspruch eine Betreuungsoption angeboten werden, die von der Stadt als freiwillige Leistung bezuschusst wird. Um den Rechtsanspruch auch für künftige Jahrgänge erfüllen zu können, treibt die Stadt in Kooperation mit Kreis und Trägern seit Jahren den Ausbau voran.
So wurde an der Ludwig-Erk-Schule in Dreieichenhain bereits Anfang des Jahres ein neues Betreuungsgebäude für circa 260 Kinder in Betrieb genommen. Auch die Selma-Lagerlöf-Schule in Buchschlag verfügt schon länger über ein gut ausgestattetes Betreuungsgebäude und ist für den Ganztag gut gerüstet. An der Gerhart-Hauptmann-Schule in Sprendlingen baut der Kreis Offenbach aktuell ein neues Gebäude mit Mensa, das neben Betreuungsräumen auch schulische Bedarfe deckt. Die Fertigstellung ist im nächsten Jahr geplant.
An der Karl-Nahrgang-Schule in Götzenhain fand am 25. September 2026 das Richtfest des neuen Betreuungsgebäudes statt. Hier baut die DreieichBau AöR im Auftrag der Stadt Dreieich ein Gebäude, in dem dann 205 Kinder Platz finden sollen. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich auf 4.135.000 Euro. Für die Erich-Kästner-Schule ist bis zum Jahresende die Errichtung einer Containeranlage auf der Wiese des Hallenbades vorgesehen. Diese dient dann als Ergänzung der Betreuungsplätze am Schulstandort. An der Grundschule am Hengstbach plant der Kreis Offenbach anstelle des Flachbaus zur Konrad-Adenauer-Straße einen zweistöckigen Neubau, um die Voraussetzungen für den Rechtsanspruch zu schaffen.
Der Kreis Offenbach strebt in enger Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden eine flächendeckende Betreuung an den Grundschulen mit dem Ziel einer 85 Prozent-Versorgung an. Das Mittagessensangebot soll darüber hinaus für 100 Prozent der Schülerschaft ermöglicht werden.
Wie der Fachbereich Soziales, Schule und Integration in einer Sondersitzung des Sozialausschusses berichtet, ist die Stadt Dreieich dabei auf einem guten Weg. Ohne Einberechnung der noch laufenden Projekte fehlen zwar aktuell noch circa 350 Plätze bis zum Ausbauziel, jedoch werden die Platzkapazitäten mit den geplanten Projekten in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen. Bis zum vollständigen Inkrafttreten des Rechtsanspruches 2029/2030 sollte bei planmäßigem Verlauf der skizzierten Ausbauprojekte das Ziel der Erfüllung des Rechtsanspruchs daher erreichbar sein, was durch die niedrige Geburtenrate und dadurch langfristig sinkende Schülerzahlen im Grundschulsegment zusätzlich befördert wird.
Schon heute, ohne vollständig geltenden Rechtsanspruch, stellt die Stadt Dreieich in Kooperation mit den Trägern der Schulkinderbetreuung insgesamt 1.165 Betreuungsplätze zur Verfügung. Dies belastet den Haushalt im laufenden Jahr mit insgesamt knapp 1.650.000 Euro für die Bezuschussung des Betreuungsangebotes. Auch zur Finanzierung der Bauprojekte für die Betreuung im Grundschulalter wird die Stadt herangezogen. Der Kreis Offenbach und die Stadt finanzieren den Ausbau zu jeweils 50 Prozent. Die gleiche Lastenverteilung wird auch auf die übergangsweise Anmietung von Räumen angewandt, soweit diese nicht Eigentum der Kommunen sind. Auch diese Investitionen schlagen im aktuellen und in den folgenden Haushalten mit mehreren Millionen Euro zu buche.
„Nachdem wir den gesetzlichen Anspruch auf Kinderbetreuung in den Kitas mit großen personellen und finanziellen Anstrengungen nunmehr auf einen guten Weg gebracht haben, haben wir mit der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Grundschulkindbetreuung die nächste Herkulesaufgabe vor der Brust, sind hier aber frühzeitig tätig geworden und sehen uns auch für die nächsten Jahre gut gewappnet“, so Bürgermeister Martin Burlon. „Die Tatsache, dass uns der Bund mit den finanziellen Folgen seiner Beschlüsse im Regen stehen lässt, belastet unseren kommunalen Haushalt weiterhin enorm. Die Wichtigkeit der Betreuungsangebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist unbestritten. Die Schieflage bei der Finanzierung ist jedoch gleichermaßen unstrittig und bringt die Kommunen zunehmend an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.“

