
„Die kommunale Finanzkrise ist inzwischen mit voller Wucht in den Städten, so nun auch in Dreieich, angekommen. Das massive Defizit zeigt, dass die finanzielle Belastungsgrenze der Kommunen deutlich überschritten wird“, bewertet Bürgermeister und Kämmerer Martin Burlon den Jahresabschluss. Der Abschluss verdeutlicht nach Einschätzung des Magistrats vor allem die strukturelle Schieflage der kommunalen Finanzen. Bundesweit erreichte der Finanzierungssaldo der Kommunen 2025 mit minus 31,9 Milliarden Euro einen historischen Stand – ein Beleg für eine nie da gewesene Unterfinanzierung der Kommunen.
„Die Städte und Gemeinden stehen mit dem Rücken zur Wand, stetig wachsende Zuweisung gesetzlicher Aufgaben und steigende Sozialaufwendungen ohne auch nur ansatzweise nennenswerte Gegenfinanzierung, das führt zu einer dramatischen Lage der Kommunen“, erläutert Bürgermeister Martin Burlon. „Die Kommunen werden seit Jahren mit immer mehr Lasten konfrontiert, auf die Warnungen der kommunalen Ebene im Hinblick auf die drohende Handlungsunfähigkeit und die damit einhergehenden Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger sind bisher von den übergeordneten Ebenen keinerlei Maßnahmen zu erkennen, die diese strukturelle Problematik lösen könnte. Einmalhilfen als Soforthilfe oder Investitionsförderung unterstützen natürlich, aber nur einmalig und punktuell und nicht nachhaltig und strukturell“, erklärt Bürgermeister Martin Burlon.
Für die Stadt Dreieich zeigt sich die aufgeführte Entwicklung insbesondere durch das jährlich steigende Defizit in den Bereichen Kinderbetreuung und Schulkindbetreuung, allein seit 2016 eine Steigerung um rund 6,5 Millionen Euro. Vor allem aber belastet die in den letzten Jahren massiv gestiegene Kreis- und Schulumlage, über die Kreis die durch ihn zu erbringenden Leistungen an die Kommunen weitergibt, den städtischen Haushalt. Allein in den Jahren 2024 und 2025 ist hierdurch eine zusätzliche jährliche Belastung von insgesamt 7,5 Millionen Euro entstanden.
Trotz der schwierigen Haushaltslage investierte die Stadt Dreieich im Jahr 2025 insgesamt 19,6 Millionen Euro in die Infrastruktur. Schwerpunkte waren insbesondere die Erweiterung von Schulen (5 Millionen Euro) und Kindertagesstätten (10,5 Millionen Euro), der Ausbau barrierefreier Bushaltestellen (1,3 Millionen Euro) sowie Sportinfrastrukturmaßnahmen wie der Kunstrasenplatz Rheinstraße (1,2 Millionen Euro).
Auch der Blick auf das laufende Haushaltsjahr 2026 bleibt angespannt. Nach aktueller Prognose verschlechtert sich das geplante Defizit von 10,6 Millionen Euro um weitere 2,6 Millionen Euro auf insgesamt 13,2 Millionen Euro. Ursache hierfür sind insbesondere infolge der aktuellen Mai-Steuerschätzung weiter sinkende Steuereinnahmen (ca. 2 Millionen Euro). „Die aktuellen Steuerschätzungen zeigen leider, dass sich die finanzielle Lage der Kommunen in den kommenden Jahren auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage in Deutschland weiter verschärfen wird. Ohne grundlegende Reformen der Kommunalfinanzierung bleiben die Städte dauerhaft in einer strukturellen Unterfinanzierung, mit noch nicht absehbaren Folgen für die kommunale Aufgabenerledigung“, warnt Bürgermeister Martin Burlon.
Da der Haushalt 2026 bislang noch nicht genehmigt wurde, wird es in diesem Jahr keinen Nachtragshaushalt geben, da dieser nur auf einem genehmigten Haushalt aufsetzen kann. Der Fokus der Verwaltung liegt nun auf der Aufstellung des Haushaltsplans 2027. „Auch wenn die Aufstellung des Haushaltsplans bei den bekannten Rahmenbedingungen eine große Herausforderung wird, so soll auch dieser Haushalt die Notwendigkeit wichtiger Zukunftsinvestitionen abbilden“, kündigt Bürgermeister Martin Burlon an. „Gleichzeitig müssen und werden wir als Kommunen laut bleiben: Ohne strukturelle Reformen bleibt die kommunale Finanzkrise weiterhin bestehen.“ Erst kürzlich habe die Bürgermeister sowie Hauptamtlichen der Kreisversammlung im Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) des Landkreises Offenbach erneut Alarm geschlagen und mit der gemeinsamen „Seligenstädter Erklärung“ ein weiteres deutliches Signal an Bund und Land gesendet (https://www.dreieich.de/rathaus-service/presse-medien/pressemitteilungen/2026/seligenstaedter-erklaerung-verabschiedet/).


