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Auf dieser Seite werden alle Pressemitteilungen der Stadt Dreieich veröffentlicht, die von der Stadt an die Medien weitergegeben werden, um Bürgerinnen und Bürger umfassend über kommunale Entwicklungen, Planungen und Entscheidungen von öffentlichem Interesse und öffentlicher Bedeutung zu informieren. Alle Pressemitteilungen, die seit 2017 veröffentlicht wurden, können hier nach Zeitraum, Stichworten und Rubriken recherchiert werden.
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Der Heldbock in Buchschlag: Seltener Käfer sorgt für ungewöhnliche Baumsicherungsmaßnahmen an alten Eichen

Dienstleistungsbetrieb Dreieich
und Neu-Isenburg AöR
Offenbacher Str. 174
63263 Neu-Isenburg
Telefon 06102 3702-0



Dreieich. Der Heldbock, auch Großer Eichenbock genannt, ist ein in Deutschland vom Aussterben bedrohter und deshalb streng geschützter Käfer. Im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Verkehrssicherungspflicht mussten für vom Heldbockkäfer besiedelte Eichen in Buchschlag Lösungen gefunden werden, die auf den ersten Blick zuweilen Verwunderung auslösen, mit Blick auf Naturschutz allerdings für alle Beteiligten ein Gewinn sind.

Der Dreieicher Stadtteil Buchschlag zeichnet sich durch einen alten Baumbestand, vor allem mit sehr alten Buchen und Eichen aus. Zwei sehr alte Eichen sind nun abgestorben, die allerdings vom Heldbock besiedelt sind. Die abgestorbenen Eichen stellen an den Straßen mit Blick auf Verkehrssicherheit eine große Gefahr dar und müssten gefällt werden, was aufgrund der Heldbockbesiedelung jedoch naturschutzrechtlich untersagt ist. „Unter Berücksichtigung des Artenschutzes müssen deshalb vertretbare Sicherungsmaßnahmen erarbeitet und vorab mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden.“ erläutert Sylvio Jäckel, beim DLB zuständig für die städtischen Baumbestände in Dreieich, die Vorgehensweise bei den sogenannten Heldbock-Bäumen.

Eine der Eichen ist im Frühjahr 2020 abgestorben, ein Prachtexemplar von 25 Metern Höhe und einem Stammumfang von etwa drei Metern. Ihre Kronentraufe reichte über die gesamte Breite des Hubertuswegs. Der Stammfuß der Eiche hat nur zwei Meter Abstand zur Straße und zeigt mit Bohrmehl und einzelnen daumendicken Ausfluglöchern eindeutige Besiedlungshinweise des Heldbocks. Die abgestorbene Eiche barg ein sehr hohes Gefährdungspotenzial, da abgestorbene Äste auf die Straße fallen konnten. Eine Sperrung der Straße in diesem Abschnitt kam nicht in Betracht, da ausbrechende Starkäste auch in die privaten Anwesen hätten stürzen können.

Deshalb erfolgte eine Segmentfällung unter Erhaltung eines Stammtorsos. Die Höhe des Reststammes wurde zunächst auf ca. 16 Meter, und damit einige Meter oberhalb eines Zwiesels mit Spechtloch, festgelegt, um zusätzlich noch einen weiteren im Baum vorhandenen Lebensraum für drei bis fünf Jahre zu sichern. Jetzt stehen dort weitere Maßnahmen an: „Der Eichentorso wird noch zusätzlich mit einer Gurtsicherung an einem dahinterstehenden Baum abgesichert, damit er nicht auf die Straße fallen kann. Wir wollen hier auf Nummer Sicher gehen“, erläutert Jäckel.

Eine weitere abgestorbene und vom Heldbock besiedelte Eiche im Bestand wurde mit sogenannten gezielten Brüchen im Starkastbereich eingekürzt. Hierbei werden Starkäste angeschnitten und abreißen lassen. „Durch diese Methode entsteht zum einen ein natürliches Bild, der Baum kann noch ein paar Jahre stehen bleiben, es werden im Kronenbereich teilweise neue Lebensraumstrukturen geschaffen und der Baum ist gleichzeitig verkehrssicher“, erklärt Jäckel die Maßnahme. Für diese Art des Kronensicherungsschnittes bei absterbenden Bäumen gab es im Rahmen der Stadtgrün-naturnah-Zertifizierung für Dreieich großes Lob.

Im Vergleich zu normalen Baumfällungen entstehen durch die naturschutznahen Sicherungsmaßnahmen deutliche Mehrkosten. „Ohne die Gründe für unser Tun zu kennen erscheinen die Baumpflegearbeiten vielleicht unverständlich. Deshalb ist die Aufklärung so wichtig. Schutz und Erhalt der Heldbockhabitate sind naturschutzrechtlich verpflichtend und somit alternativlos“, so Jäckels Fazit.

Anlage: Zusatzinformationen zu Biologie und Verbreitung des Heldbocks

Zusatzinformationen:

Der Heldbock besiedelt geschwächte Alteichen. Bevorzugt werden Stieleichen als Solitärbäume mit einem Stammumfang ab circa zwei Metern in besonnten, warmen Lagen wie z. B. in Parks, Alleen, Waldrändern oder locker strukturierten Eichenwäldern ohne Unterwuchs. Die Entwicklungsdauer beträgt zwischen drei und fünf Jahren. In abgestorbenen Eichen können die Käfer ihre Entwicklung nicht mehr starten, aber beenden. Das hohe Wärmebedürfnis der Larven führt dazu, dass Bäume im dichten Bestand gewöhnlich nicht besiedelt werden. Die Brutbäume werden über viele Jahre bis Jahrzehnte nicht aufgegeben. Die Käfer sind von Mai bis August an den Brutbäumen anzutreffen, vorwiegend im Juni und Juli. Sie sind in der Regel dämmerungs- und nachtaktiv, weshalb ihn nur wenige zu sehen bekommen. Die Eier werden einzeln in tiefen Spalten und Rissen der Eichenborke versenkt. Die maximale Larvengröße beträgt bis zu 90 mm. Das charakteristische Ausflugsloch ist daumendick.

Der Heldbock gehört zu den echten xylobionten Käfern, d.h. die gesamte Entwicklung von Ei über die Larve bis hin zur Verpuppung findet im Baum statt. Die Besiedlung der Eichen durch den Heldbock führt zur forstwirtschaftlichen Entwertung. Aus diesem Grund galt der Käfer früher als zu bekämpfender Forstschädling, weshalb er in allen Bundesländern sehr selten wurde. Mit einer Länge von fünf cm zzgl. einer Fühlerlänge von bis zu 11 cm zählt er zu den größten einheimischen Käferarten. Die Art ist in Deutschland vom Aussterben bedroht und europaweit geschützt. Sie wird in der Roten Liste Deutschland 1 und den FFH-Richtlinien in den Anhängen II und IV geführt und unterliegt einem strengen Schutz.

Bundesweite Schwerpunkte der Verbreitung sind das Mittelelbegebiet, das nordöstliche Niedersachsen (Wendland), Berlin-Brandenburg, der Raum Karlsruhe und Südhessen (Rhein-Main-Gebiet). In Dreieich kommt er vor allem an Waldrändern mit alten Eichen in Götzenhain und Buchschlag vor. Hier ist er auch in innerörtlichen Waldstreifen zu finden. Auch in Neu-Isenburg ist er vertreten.

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