Die Geschichte der Stadt Dreieich
Die erstmalige Erwähnung des Dreieicher Stadtteils Offenthal führt zurück in das Jahr 834. In jenem Jahr schenkte König Ludwig der Deutsche, ein Enkel Karls des Großen, den Ort Langen (Langungon) mit all seinen Leibeigenen, Häusern, Feldern, Wiesen und Wäldern dem Kloster Lorsch. Zu dieser Schenkungsurkunde ist eine undatierte Grenzbeschreibung überliefert, die nach Erkenntnissen der historischen Forschung zwischen 834 und 840 entstanden sein dürfte.
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In diesem Text ist Offenthal (Ovemdan) zusammen mit Sprendlingen erwähnt. Die tatsächliche Besiedlung der Gemarkung Offenthal dürfte allerdings bereits vor diesem Datum erfolgt sein, zumindest lassen die Funde archäologischer Grabungen dies vermuten. Offenthal gehörte bis 1255 den Herren von Hagen-Münzenberg. Mit deren Aussterben gelangten sie in den Besitz der Herren von Falkenstein und gingen schließlich nach 1418 in isenburgischen Besitz über. Wie die übrigen Dreieich-Orte wurden sie 1816 dem Gebiet des Großherzogtums Hessen-Darmstadt angegliedert. Das bedeutendste Gebäude in Offenthal ist die um 1400 von Anna von Falkenstein gestiftete evangelische Pfarrkirche.
In der bereits zitierten Grenzbeschreibung zur Schenkungsurkunde Ludwig
des Deutschen ist neben Offenthal auch Sprendlingen als "Spiren
Dilinger marca" (Sprendlinger Gemarkung) und Langen erwähnt.
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Tatsächlich ist Sprendlingen wesentlich älter. Im Rahmen der Völkerwanderung mussten die Römer um 250 n. Chr. den eindringenden Alemannen weichen, die für die Gründung Sprendlingens offenkundig verantwortlich waren; zumindest lässt die für alemannische Siedlungen typische Namensendung "ingen" dies vermuten.
In einer Schenkungsurkunde Ludwig des Jüngeren aus dem Jahre 880 wird in der Aufzählung der Güter auch eine Kirche in Sprendlingen erwähnt. Diese dürfte die früheste Kirche im Dreieich - Gebiet gewesen sein. Ab dem 13. Jh. ist Sprendlingen Sitz eines Vogteigerichts.
Der bedeutendste Vogt war Hans Sorgenloch, genannt Gensfleisch. Er war ein Verwandter von Johann Gutenberg, dem Mainzer Erfinder der Buchdruckerkunst. In einem sogenannten "Weistum" zeichnete er die Rechten und Pflichten eines Vogts bei einer Gerichtsverhandlung auf und schuf damit die Grundlagen für eine geordnete Rechtssprechung. Sprendlingen war zusammen mit den anderen Dreieich-Gemeinden von der sogenannten Dreieicher Ringlandwehr umgeben, die 1348 erstmals erwähnt ist. Sie diente in erster Linie dem Schutz vor Überfällen. 1528 setzte Philipp der Großmütige von Hessen den reformatorischen Mitstreiter Martin Luthers, Erasmus Alberus, als Pfarrer von Sprendlingen ein. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer und steitbarem Verfechter der lutherischen Lehre war er auch schriftstellerisch tätig. So umfasst sein Werk beispielsweise 40 Kirchenlieder, eine Sittenlehre, ein Elementarbuch der lateinischen Sprache, ein Reimwörterbuch und eine Übersetzung von 49 äsopischen Fabeln aus dem Lateinischen in deutsche Reime.
Die Erasmus-Alberus-Kirche erinnert mit ihrem Namen an den großen protestantischen Theologen, dessen Vermächtnis aus unerfindlichen Gründen bis heute kaum rezipiert wurde.